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Urologie

Ein Kissen gegen Inkontinenz

Alltagstauglich und anpassbar: Seit Jahresbeginn wenden die Urologen des DIAKO Ev. Diakonie-Krankenhaus ein neues minimalinvasives Verfahren zur Therapie der männlichen Harninkontinenz an.

Von Ingo Hartel

Dr. Martin Sommerauer
Dr. Martin Sommerauer, Urologe des DIAKO Ev. Diakonie-Krankenhaus

Das Prinzip des neuen OP-Verfahrens ist grundsätzlich simpel: Ein justierbares Silikonkissen wird um und an die Harnröhre gelegt und mit sogenannten Netzarmen um die Schambeinäste in der korrekten Position fixiert. »Dieses Kissen«, erläutert Chefarzt Dr. Martin Sommerauer, »unterstützt sehr effektiv die Funktion des Schließmuskels.« Der wesentliche Vorteil des Verfahrens: Nach der Abheilungsphase und dem Rückgang der typischen Schwellung nach dem Eingriff kann das Kissen den individuellen Bedingungen angepasst werden. Über einen im Hodensack implantierten Port kann es weiter aufgefüllt werden, um die Kontinenz zu verbessern. Urologe Sommerauer: »Dieses Nachjustieren ist ohne großen Aufwand und ohne Narkose ambulant möglich.«

Als Bernhard Notzen* von dem Verfahren hörte, hatte der 76-Jährige schon einen mehrjährigen Leidensweg hinter sich. »Ich lag wegen einer Narben-Operation im Krankenhaus und konnte keinen Urin mehr lassen. Letztlich war dann eine Operation der Prostata erforderlich. Offenbar ist etwas schiefgelaufen, denn danach war ich inkontinent.« Später wurde noch ein Prostata-Karzinom diagnostiziert, und Bernhard Notzen erhielt eine Strahlentherapie. »Dann war es zwei Jahre gut, bis sich die Inkontinenz zurückmeldete.«

Bernhard Notzen berichtet so offen über seine Krankengeschichte, weil er bei mehreren Ärzten war, bevor er überhaupt von dem Kissensystem hörte: »Das Verfahren verdient es, bekannter zu werden. Sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten.« Bevor er im Februar von Dr. Sommerauer operiert wurde, benötigte der Patient aufgrund seiner Inkontinenz täglich bis zu sieben saugstarke Vorlagen. »Sie können sich vorstellen, was das für den Alltag bedeutete«, so Notzen.

Ein Kissen gegen Inkontinenz
Ein Silikonkissen verschafft männlichen Patienten Abhilfe bei Inkontinenz. Es wird um und an die Harnröhre gelegt und mit Netzarmen um die Schambeinäste befestigt. Urologe Dr. Martin Sommerauer setzt es in einem minimalinvasiven Verfahren ein.

Justieren Ohne Op

Nach der Operation im DIAKO war Notzen zunächst vollständig kontinent und benötigte allenfalls eine Vorlage zur Sicherheit. Im Mai kam er erneut zu einer ambulanten Behandlung ins DIAKO. Nachdem sich die operationsbedingten Schwellungen um das implantierte Kissen zurückgebildet hatten, hatte der Urinverlust wieder etwas zugenommen – insbesondere bei körperlichen Anstrengungen. Abhilfe schaffte Dr. Sommerauer, indem er das implantierte Kissen ambulant justierte. Der Urologe und Koordinator des zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentrums im DIAKO erklärt, dass in der Regel mehrere Einstellungen möglich sind und der Druck stufenweise erhöht werden kann. Sommerauer: »Wir können über Jahre hinweg nachjustieren, ohne dass eine weitere OP nötig ist.« Darauf hat sich Bernhard Notzen eingestellt, der dank des Kissens wieder einen normalen Alltag lebt.

* Name auf Wunsch des Patienten geändert.

Kurz & knapp

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum

Das interdisziplinäre zertifizierte Kontinenz- und Beckenbodenzentrum behandelt Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen und Funktionsstörungen des Beckenbodens und der Beckenorgane. Die Frauenklinik therapiert die weibliche Harninkontinenz, die Urologie die der Männer. Chirurgen behandeln Stuhlinkontinenz von Frauen und 
Männern.

Kontakt

Dr. Martin Sommerauer
Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie
0421-6102-1741
urologie@diako-bremen.de

DIAKO Ev. Diakonie-Krankenhaus

Gröpelinger Heerstraße 406–408

28239 Bremen

www.diako-bremen.de

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