Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Stoma-Therapeut

Ein Job wie kein anderer

Sascha Kohls’ Beruf gibt es in Bremen sehr selten und er erfordert sehr spezielle Fähigkeiten: Als Stoma-Therapeut betreut und begleitet der 47-Jährige Menschen, die – zumindest vorübergehend – mit einem künstlichen Darmausgang leben müssen.

Von Dorothee Weihe

Sascha Kohls
Stoma-Therapeut Sascha Kohls

Die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Rotes Kreuz Krankenhaus (RKK) ist auf die Behandlung von Tumoren im Magen- und Darmtrakt und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spezialisiert. Bei Darmoperationen kann es in einigen Fällen nötig sein, vorübergehend oder permanent einen künstlichen Darmausgang anzulegen. »Für die meisten Patienten ist diese Nachricht ein kleiner Schock. Da schwirren alle möglichen Gedanken durch den Kopf: Riecht man das? Sieht man den Beutel unter meiner Kleidung? Was ist, wenn er nicht dicht hält? Kann ich arbeiten gehen? Schaffe ich das Auswechseln alleine? Was darf ich essen und trinken? Was wird mein Partner dazu sagen, was bedeutet das für meine Sexualität?«, fasst Sascha Kohls die Ängste und Fragen seiner Patienten zusammen. Seit 15 Jahren betreut der Krankenpfleger mit Zusatzausbildung Stoma-Patienten im RKK.

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Wo sitzt er am besten? Stoma-Therapeut Sascha Kohls markiert auf dem Bauch die passende Stelle für den künstlichen Darmausgang.

Im Team der Darmspezialisten ist Sascha Kohls der Fachmann für das Leben mit Stoma. Die Ärzte informieren ihn über Patienten und geplante OPs. Mit Einfühlungsvermögen und sehr viel Erfahrung gelingt es ihm, bei seinen Patienten Vertrauen aufzubauen – Voraussetzung für die Annäherung an ein sehr persönliches und schambehaftetes Thema. »Zuerst erkläre ich meinen Patienten, dass ein Stoma nicht wirklich künstlich ist, sondern nur ein vorübergehender Darmausgang an einer anderen Stelle«, sagt der gelernte Krankenpfleger. Er nimmt sich Zeit, beschreibt noch einmal in Ruhe anhand von Zeichnungen, was genau bei der OP geschieht. Dann tastet er den Bauch des Patienten ab und schaut, wie dieser seine Kleidung trägt: Wie sitzen Rock und Hose im Stehen, Sitzen und Liegen – eher hoch oder eher tief? Welches ist die Lieblingsposition auf dem Sofa? Das alles ist wichtig, damit das Stoma später an der richtigen Stelle sitzt. Die entsprechende Markierung auf dem Bauch hilft den Chirurgen bei der exakten Bestimmung des Ortes, an dem sie den Darm ausleiten werden.

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Mit Blick auf die persönliche Lebenssituation hilft Kohls bei der Wahl des passenden Stoma-Systems. Auf dem Markt sind einteilige und zweiteilige Systeme. »Wir arbeiten mit allen Herstellern zusammen, um den Patienten alle Möglichkeiten zu eröffnen. Der Patient und ich wählen die bestmögliche individuell passende Lösung aus und üben den selbstständigen Umgang damit«, betont der Stoma-Therapeut. Damit sich seine Patienten auch zu Hause gut betreut wissen, organisiert Kohls noch vor der Klinikentlassung ein persönliches Kennenlernen mit dem nachversorgenden Homecare-Anbieter.

Verlässlichkeit Und Vertrauen

Im Schnitt bleibt ein künstlicher Darmausgang etwa drei Monate, bevor er wieder rückverlegt wird. »Das ist ganz individuell – von sechs Wochen bis zu einem halben Jahr, in sehr seltenen Fällen muss das Stoma bleiben«, sagt Kohls. Seine Patienten besucht er von der Aufnahme bis zur Entlassung ein- bis zweimal täglich. Fünf Tage die Woche, im Notfall auch am Wochenende, ist der engagierte Pfleger für seine Patienten da. Im Anschluss an den stationären Aufenthalt hilft Kohls in der Stoma-Sprechstunde weiter.

Kontakt

Sascha-Jörg Kohls
Fachkrankenpfleger für Stomapflege / Inkontinenz und Casemanagement

kohls.s@roteskreuzkrankenhaus.de

Rotes Kreuz Krankenhaus

St.-Pauli-Deich 24

28199 Bremen

www.roteskreuzkrankenhaus.de

Gesundheit : Bremen 23

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