Darmkrebs
(K)ein Zufallsbefund
Durch die Aufmerksamkeit von Dr. Alexander Friedemann im Rotes Kreuz Krankenhaus führte eine Leistenhernie bei E. Mbye zur Entdeckung von Darmkrebs.


»Ich konnte zwei Knubbel an meiner Leiste ertasten – auf beiden Seiten – das fand ich seltsam. Mein Hausarzt hat mich dann wegen des Verdachts auf Leistenbruch ins Hernienzentrum im Rotes Kreuz Krankenhaus geschickt«, erzählt E. Mbye. In der Sprechstunde untersucht Chefarzt Dr. Alexander Friedemann den 56-Jährigen gründlich. Im Aufklärungsgespräch erfährt er, dass der Bremer bislang noch keine Vorsorgeuntersuchung zur Erkennung von Darmkrebs gemacht hat, und terminiert zunächst eine Koloskopie. Der Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie weiß außerdem: Eine Leistenhernie kann indirekt ein Symptom für eine Druckerhöhung im Bauchraum sein. »In sehr seltenen Fällen ist diese Druckerhöhung ein versteckter Hinweis auf Darmkrebs«, sagt Dr. Friedemann und erklärt, weshalb: »Ein Tumor kann den Darm verengen, das führt dann zu chronischer Verstopfung und erschwertem Stuhlgang. Betroffene müssen in der Folge beim Toilettengang immer sehr stark pressen – das lässt den Druck in der Bauchhöhle ansteigen.«
Die vor der Behandlung der Leistenbrüche im Diagnostikzentrum der Klinik durchgeführte Koloskopie bringt zutage, womit E. Mbye nicht gerechnet hat: Dr. Friedemann findet einen etwa kastaniengroßen Tumor im Dickdarm. Nach dem ersten Schock und ausführlichen Erläuterungen für den Patienten wird der Zeitpunkt der Operation festgelegt. Eine Computertomografie und ein Ultraschall der Leber zeigen, dass sich im Körper bislang keine Metastasen befinden. Das OP-Team entfernt circa 35 Zentimeter des Darms und vernäht die Enden. Vorher prüft es die Durchblutung mithilfe von fluoreszierendem Farbstoff, der in die Vene gespritzt wird. Eine Kamera mit Spezialaufsatz macht den Farbstoff sichtbar: Gut durchblutete Areale leuchten hell unter dem Laserlicht. Gewebe, das nicht oder nur schlecht durchblutet ist, bleibt dunkel. So lässt sich das Risiko einer Nahtundichtigkeit und damit einer gestörten Wundheilung reduzieren.

Um auszuschließen, dass der Tumor gestreut hat, werden gleichzeitig die im Abfluss befindlichen Lymphknoten entfernt und ins Labor geschickt. »Das war die nächste Hiobsbotschaft, die ich zu verkraften hatte: zwei befallene Lymphknoten«, sagt der gebürtige Afrikaner, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt.
Chefarzt Dr. Friedemann erläutert das weitere Vorgehen: »Selbst wenn wir einen Tumor vollständig entfernen konnten, besteht das Risiko, dass bereits einzelne Krebszellen, sogenannte Mikrometastasen, im Körper verblieben sind. Das ist mit einer Chemotherapie gut behandelbar.« Die Tabletten sollen nun möglicherweise verstreute Krebszellen zerstören. E. Mbye bleibt positiv: »In einem halben Jahr ist das überstanden, dann kümmern wir uns um den Leistenbruch. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Dr. Friedemann nicht so aufmerksam gewesen wäre.«
Kontakt
Dr. Alexander Friedemann
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
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Rotes Kreuz Krankenhaus
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