Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Leitlinien Für Darmkrebstherapie


»Chancen auf Heilung«

Perspektiven bei Darmkrebs: PD Dr. Christian Pox vom St. Joseph-Stift über die frisch überarbeitete S3-Leitlinie ›Kolorektales Karzinom‹ mit neuen Empfehlungen zu Diagnosen und Behandlungsstrategien.

Silvia Rievers

PD Dr. Christian Pox, Chefarzt der Medizinischen Klinik sowie des zertifizierten Darmkrebszentrums im St. Joseph-Stift, ist Mitglied der Zertifizierungskommission Darmkrebszentren der Deutschen Krebsgesellschaft und seit vielen Jahren Leitlinien-Koordinator.

Gesundheit Bremen: S3-Leitlinien sind medizinische Empfehlungen höchster Qualitätsstufe für Ärzt:innen, die auf aktuellen wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnissen beruhen. Herr Dr. Pox, was sind die wichtigsten Veränderungen der aktuellen S3-Leitlinie ›Kolorektales Karzinom‹?
PD Dr. Christian Pox: Sie bringt tiefgreifende Änderungen in der gesamten Versorgungskette von Darmkrebs-Betroffenen. Das fängt bei den Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen an, geht über die genetische Diagnostik, neue Immuntherapien bis zu individualisierten Behandlungsstrategien und dem Organerhalt bei Enddarmkrebs.

Welche wichtigen Änderungen gibt es für Patientinnen und Patienten?
Das ist sicherlich die Nachsorge nach der Entfernung von nicht bösartigen Krebsvorstufen, also Polypen und Adenomen1. Hier sind die Intervalle für die Kontroll-Darmspiegelung etwas größer geworden. Studien haben gezeigt, dass sehr engmaschige Nachkontrollen keine Vorteile für die Betroffenen bringen. Deshalb hat sich beispielsweise bei einer Entfernung von ein oder zwei Adenomen unter einem Zentimeter Größe der Zeitraum für die nächste Darmspiegelung von fünf bis sieben Jahren auf sieben bis zehn Jahre verlängert. Für Patientinnen und Patienten mit Rektumkarzinom, also Krebs im Enddarm, gibt es neue Perspektiven: Unter bestimmten Bedingungen können wir durch eine sogenannte neoadjuvante Radiochemotherapie2 den Tumor vollständig zum Verschwinden bringen, sodass auf eine OP zunächst verzichtet werden kann. Das macht für die Betroffenen einen riesigen Unterschied, bedarf aber einer engmaschigen Kontrolle, da das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors besteht.

Was sind die wichtigsten Veränderungen in Ihrer Arbeit als Onkologe?
In der Pathologie wird jetzt bei Krebserstdiagnosen geschaut, ob eine Mikrosatelliteninstabilität3 im Tumor vorliegt, was uns ermöglicht, erblich bedingten Darmkrebs besser zu identifizieren – wichtig auch für die Angehörigen. Hier haben wir dann die Möglichkeit einer speziellen Immuntherapie. Außerdem ist die Therapie bei Metastasen-Nachweis differenzierter geworden, was Chancen auf Heilung oder durch den Einsatz neuer Therapieformen ein verlängertes Überleben bei guter Lebensqualität ermöglicht.

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Darmkrebs

Etwa 55.000 Menschen erkranken deutschlandweit jährlich an Darmkrebs. Ein Drittel davon erhält die Diagnose Enddarmkarzinom. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter – bei Männern stärker als bei Frauen. Da meist erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden auftreten, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen für eine Früherkennung wichtig


  1. Polyp aus Drüsen; sichere Krebsvorstufe ↩︎

  2. Krebsbehandlung mit Bestrahlung und Chemotherapie vor einer geplanten Operation ↩︎

  3. Veränderte Längen kurzer, sich wiederholender DNA-Sequenzen im Erbgut, die durch einen Ausfall des zelleigenen DNA-Reparatursystems entstehen ↩︎

Kontakt

PD Dr. Christian Pox
Chefarzt der Medizinischen Klinik und Leiter des Darmkrebszentrums
0421 347-1102
sekretariatinnere@sjs-bremen.de

Krankenhaus St. Joseph-Stift
Schwachhauser Heerstraße 54
28209 Bremen
sjs-bremen.de
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